Das Internet der Dinge am Scheideweg

Der Schlüssel zur Rentabilität für Mobilfunknetzbetreiber.

Von allen neuen Trends, die sich auf Netzwerke auswirken, ist das Internet der Dinge der revolutionärste. Branchenkenner prognostizieren, dass bis 2020 ca. 21 Milliarden miteinander vernetzte Geräte Daten erfassen und diese über das Netzwerk an IoT-Anwendungen senden werden. Für Service Provider stellt der kommende IoT-Boom eine Meilenstein-Chance dar. Die Umsätze durch mobile Sprach- und Datenanwendungen sind dagegen rückläufig.

Um diese Chance nutzen zu können, müssen Netzwerkbetreiber einige schwerwiegende Entscheidungen treffen. Wir bei Juniper sind der Ansicht, dass dies der entscheidende Moment in der IoT-Entwicklung ist. Ob die IoT-Geschäftsmodelle von Netzwerkbetreibern rentabel sein werden, hängt in hohem Maße von den Entscheidungen ab, die sie heute treffen und von den Partnerschaften, die sie eingehen.

Das Dilemma des Service Providers

Service Provider benötigen die richtige Methode, um von der rasanten Zunahme von IoT-vernetzten Geräten zu profitieren. Einnahmen aus M2M-Kommunikation (Machine-to-Machine), die auf dem IoT basiert, sind im Vergleich zu den durchschnittlichen Einnahmen pro Benutzer (ARPU) aus herkömmlichem mobilem Datenverkehr eher marginal. Ein intelligenter Zähler beispielsweise bringt möglicherweise 0,50 US-Dollar pro Monat Datentransporteinnahmen, während bei einem monatlichen Smartphone-Plan durchschnittlich 70 US-Dollar pro Benutzer als Ertrag verbucht werden können.

Es ist wirtschaftlich nicht rentabel für Netzwerkbetreiber, mit einer herkömmlichen Netzwerkarchitektur und Dienstbereitstellung in diesen Markt einzusteigen.

Die einzigartigen Eigenschaften des IoT

Außerdem stellt das IoT Netzwerkbetreiber vor neue Herausforderungen in Bezug auf Datenverkehrsverhalten, Geräteskalierung, Sicherheit, Rechnungsstellung und Bereitstellung. Mobilfunknetzbetreiber (mobile network operators, MNOs) sollten daher in Betracht ziehen, Overlay-IoT-Netzwerke zu konzipieren, um diese Herausforderungen zu meistern. Beispielsweise generiert das IoT sehr unterschiedliche Datenverkehrsmuster, die für jede IoT-Anwendung einzigartig sind. Diese Eigenschaft erfordert spezielle Aufmerksamkeit hinsichtlich der Planung von Netzwerkkapazität, Load Balancing und Quality-of-Service-Implementierung. Außerdem ist IoT-Datenverkehr unvorhersehbar, vor allem bei hohem Datenverkehrsaufkommen. Das kann den Kundenkomfort beeinträchtigen.

Stellen Sie sich vor, jemand erlangt drahtlosen Zugriff auf Fahrzeuge auf der Straße? Oder auf Wettersensoren, um einen Notfall vorzutäuschen?

Außerdem entstehen durch das IoT neue Schwachstellen mit weitreichenden Folgen für die Sicherheit und den Datenschutz. Was, wenn jemand drahtlos Zugriff auf Fahrzeuge auf der Straße erlangt? Oder Wettersensoren manipuliert, um einen Notfall vorzutäuschen? Oder jemand manipuliert medizinische Daten?

Das Netzwerk eines Bona-Fide-IoT-Anbieters muss für alle diese Situationen gewappnet sein. Wie kann jedoch der Mobilfunknetzbetreiber Investitionen in IoT-Netzwerke rechtfertigen, wenn ein IoT-Gerät normalerweise nicht einmal 1 US-Dollar Einkommen im Monat generiert?

IoT gewinnbringend nutzen

Um das IoT gewinnbringend nutzen zu können, müssen Service Provider mehr bieten als nur Konnektivität und Transportdienste. Die meisten aktuellen Studien stimmen darin überein, dass Service Provider, die Anwendungen und Mehrwertdienste anbieten, gute Chancen haben, aus IoT Gewinn zu erzielen.

Einnahmen aus Daten zu generieren, ist eine vielversprechende Möglichkeit. Erfolgreiche Service Provider erfassen Daten von Netzwerk, Geräten und Anwendungen, gleichen sie ab, fassen sie zusammen, setzen sie in den geeigneten Kontext und übergeben sie dann Analyseplattformen von Drittanbietern oder direkt den Kunden.

Letztendlich liegt der Hauptwert des IoT für Mobilfunknetzbetreiber bei Verwaltung, Analyse und der Verwendung der Daten, die es generiert. So macht es für Netzwerkbetreiber Sinn, einen datenorientierten Wert zusätzlich zu einem Daten-Shuttle von Punkt A nach Punkt B bereitzustellen. Die besten Möglichkeiten, Geld zu verdienen und sich von der Konkurrenz abzuheben, haben die Netzwerkbetreiber, die mehr bieten als nur herkömmlichen Transport.

Ein Netzwerk für das IoT aufbauen

Um das IoT rentabel zu machen, müssen Netzwerkbetreiber jedenfalls die Betriebskosten niedrig halten, und zwar selbst dann, wenn die Aufträge ebenso stark zunehmen wie die Zahl vernetzter Geräte. Gleichzeitig führt die hohe Anzahl von IoT-Geräten zu neuen Anforderungen in Bezug auf schnelle Bereitstellung, Skalierung und Sicherung von Daten.

Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, minimale Betriebskosten mit dem Bedarf an schneller, hoch skalierbarer Bereitstellung in Einklang zu bringen: durch Automatisierung.

Der Schlüssel dazu ist, dass Netzwerkbetreiber Netzwerk- und IT-Ressourcen, die die Anforderungen ihrer Kunden dynamisch erfüllen, im Zaum halten. Eine flexible Telco-Cloud beispielsweise kann Ressourcen dynamisch verschieben und verwalten, und zwar unabhängig davon, ob diese Ressourcen sich innerhalb des Endgeräts, der Einrichtungen des Kunden, im Carrier-Edge oder in der Cloud befinden.

Die einzige Möglichkeit, minimale Betriebskosten mit dem Bedarf an schneller, hoch skalierbarer Bereitstellung in Einklang zu bringen, ist die der Automatisierung. In Kommunikationsnetzwerken hat dies eine softwaredefinierte Netzwerk-(SDN)-Architektur mit Network Functions Virtualization (NFV) zur Folge.

SDN und NFV sind das Paradebeispiel für eine schnelle Bereitstellung und Umgestaltung von Diensten in jedem Netzwerk, besonders aber in einem IoT. Ohne signifikanten Einsatz von Automatisierung und Virtualisierung kann ein IoT-Netzwerk nicht erfolgreich, geschweige denn rentabel, betrieben werden.

Netzwerkbetreiber benötigen eine unkomplizierte und kostengünstige Möglichkeit NFV im Zaum zu halten, sodass sie ihren Kunden neue Dienste bereitstellen können. Eine dieser Möglichkeiten ist die Konzipierung eines IoT-Parallelnetzwerks mithilfe eines virtuellen Evolved Packet Core (vEPC), der den Netzwerkbetrieb revolutioniert, indem er es möglich macht, durch Automatisierung und Analysefähigkeit eine hoch effiziente Bereitstellung neuer Dienste sicherzustellen.

Sicherheit als Wettbewerbsvorteil

Wie bereits erwähnt, müssen Service Provider auf IoT-spezifische Sicherheitsanforderungen vorbereitet sein. IoT-Sicherheit ist aber nicht ein Hindernis, das nur hohe Ausgaben verursacht. Sie ist eine Chance, die Einnahmen bringen kann.

Es besteht ein potenzieller Bedarf an vertrauenswürdigen Security Brokern, die sich um IoT-Sicherheit im Netzwerk bzw. in der Cloud kümmern. Mobilfunknetzbetreiber sind für diese Rolle gut geeignet.

Wie? Ein IoT besteht hauptsächlich aus mit Akkus betriebenen Geräten. Die von herkömmlichen VPNs verwendete Public Key Infrastructure verbraucht zu viel Strom für diese Geräte. Außerdem berücksichtigen IoT-Anwendungsentwickler im Allgemeinen nicht alle notwendigen Sicherheitsaspekte in ihrer Software: Authentifizierung von Endgeräten, Verhindern von Hacks und die Beibehaltung der Funktionalität von Kommunikations-Links.

Die Situation legt einen potenziellen Bedarf an vertrauenswürdigen Sicherheits-Brokern nahe, welche die IoT-Sicherheitsverarbeitung im Netzwerk oder in der Cloud verarbeiten können. MNOs sind für diese Rolle mit Sicherheit führende Kandidaten. Diese Netzwerkbetreiber haben bereits verschiedene Kommunikations- und Sicherheitssysteme für mobilen Datenverkehr, die auf IoT portiert würden, installiert.

Bei der Verwaltung von Telefonen und Anwendern sowie der Sicherung von Verbindungen verlässt man sich schon jetzt auf Anbieter von mobilen Diensten. Diese Vertrauensbasis könnte auf das IoT ausgedehnt werden. Dabei bieten Betreiber ein sicheres IoT-Lebenszyklus-Management und schützen Unternehmen und IoT-Anwendungsentwickler vor den komplizierten Bedrohungen auf der großen Angriffsfläche des IoT. Gleichzeitig bringt es Mobilfunknetzbetreibern eine zusätzliche Einnahmequelle.

IoT-fähige Netzwerkinfrastruktur

Mobilfunknetzbetreiber haben die Chance, das IoT gewinnbringend zu nutzen. Und wir bei Juniper freuen uns darauf, sie dabei zu begleiten. Wir bieten ganzheitliche Lösungen, die für kundenspezifische Anforderungen maßgeschneidert sind und Daten, Analysen, Sicherheit und SLAs zur Geldquelle machen. Der Weg zum Erfolg führt über eine offene Plattform als Nährboden für Innovationen und über strategische, komplementäre Partnerschaften.

Viele bezeichnen das IoT als den "Wilden Westen". Wir sind aber der Meinung, dass es selten eine bessere Chance gibt als das IoT. Belohnt werden diejenigen, die die Initiative ergreifen und den Markt durch Innovationen neu definieren.